Theater AG 2025/26
Alles Verschwörung?
Theater- AG des Albertus Gymnasiums spielt „Die Friseure von Lauingen“ (verfasst von Marie Sienkiewicz)
Beitrag von Annette Frank
Vorhang auf, das Spiel beginnt! Vor der wohl bekanntesten Stadtkulisse Lauingens, dem Rathaus mit dem Albertus- Magnus- Denkmal in Lebensgröße, treffen sich in der ersten Szene drei Bürgerinnen und Bürger Lauingens, die allesamt die Namen bekannter Shampoomarken tragen. Was als Plausch über eine neue Frisur seinen Anfang nimmt, entwickelt sich bald zu einer irritierenden Feststellung, die auf einem Fakt beruht: In Lauingen an der Donau gibt es in Bezug zur Einwohnerzahl siebenmal so viele Friseure wie im Rest der Bundesrepublik!
Diese Tatsache dürfte auch den einen oder anderen Besucher der Vorstellung überrascht haben. Das Raunen im Publikum gibt dieser Vermutung recht. Irgendetwas scheint hier, in ihrer Heimatstadt, doch nicht zu stimmen! Oder warum gibt es in Lauingen tatsächlich „an jeder Ecke“ einen Friseursalon?
Unterhalten sich die Lauinger einfach gerne mit dem Friseur Ihres Vertrauens über die aktuelle Weltlage? Lässt das feuchte Klima im herbstlichen Dauernebel die Haare besonders gut sprießen? Oder hat das enorme Haarwachstum etwa (immer noch!) mit dem benachbarten Atomkraftwerk zu tun, dem man auch Wachstumsbeschleunigung beim heimischen Rhabarber nachsagt?
Das diesjährige Stück der Theater- AG des Albertus- Gymnasiums, verfasst in gewohnter, raffinierter Manier von Marie Sienkiewicz und ausgestattet mit einem hervorragenden Bühnenbild unter der künstlerischen Leitung von Hartmut Frank, widmet sich Szene für Szene konsequent der Frage nach der hohen Friseurdichte in Lauingen und nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise in die Welt der Hypothesenbildung. Nicht nur die Protagonisten der ersten Stunde vor dem Lauinger Rathaus haben zur Friseurfrage Ideen. Nach und nach entspinnen sich immer weitere, immer krudere Vermutungen unter den Darstellerinnen und Darstellern, deren Namen die gesamte Shampooindustrie repräsentieren. Wer profitiert von der ungeheuren Anzahl der Friseursalons in Lauingen? Wem nützt es? Wer zieht im Hintergrund die Strippen? Und… wozu sind die ganzen abgeschnittenen Haare zu gebrauchen?
Die Akteure beschließen unabhängig voneinander, die bestehenden Friseursalons mit den unterschiedlichsten Strategien zu observieren und begeben sich an den Ort der vermeintlichen Geschehen: den Salon selbst.
Die wechselnden Gespräche der Darstellerinnen und Darsteller an den drei Schauplätzen Marktplatz, Luitpoldhain mit rotem Schaukelzebra und Friseurgeschäft, werden durch den variablen Einsatz der Drehbühne des Lauinger Stadeltheaters und dem malerisch wie installativ beeindruckenden Bühnenbild wirkungsvoll in Szene gesetzt. Allein der Wechsel der Szenen bereitet den Zuschauern einen Hochgenuss und zeigt, mit welcher technischen Raffinesse das Kleinjuwel Stadeltheater als Spielort ausgestattet ist.
Die Untersuchungen der Akteure bei Tageslicht, aber auch zu nächtlicher Stunde am Tatort Friseursalon spitzen sich dramatisch zu… und werden flankiert von der philosophischen Frage, wozu eigentlich auch die ganzen Theorien, die die ominöse Friseurdichte umwuchern wie die Dornen Dornröschens Schloss, gut sein sollen? Entwickeln sich heutzutage geradezu rasant zu vielen Lebensthemen Verschwörungstheorien, gefüttert durch den Aufenthalt in medialen Blasen, um vor allem ein Gefühl zu vermeiden: Angst? Halten sich viele Menschen an Verschwörungstheorien fest, um die vermeintliche Kontrolle über ihr Leben zu behalten, um Sicherheit in einer Welt der Unsicherheit zu erlangen? „Den meisten Menschen geht es nicht darum, was ist, sondern es geht darum, was sie fühlen…“ So wird die Wahrheit geschönt oder schlicht verändert. Geschönt werden muss nicht die Leistung der jungen Theaterspielerinnen und Theaterspieler, sie brillieren an diesem Abend mit Textsicherheit und mitreißender Spielfreude. Anhaltender Applaus zeugte von der Begeisterung des Publikums.
Programmheft:
Impressionen:
Collagen: Marie Sienkiewicz















