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Im Gesundheitszentrum unserer Kirche

Ich will euch heute mit ins Gesundheitszentrum nehmen und euch an meiner Arbeit teilhaben lassen.

Heute ist Montag und es kommen viele Patienten, meist viel mehr als an anderen Tagen. Gleich morgens bilden sich Schlangen an der Anmeldung.

Rechts die Registrierung - daneben der Wartebereich

Jeder Patient hat bei uns eine Karteikarte. Wer das erste Mal kommt muss 10 Le (umgerechnet 40 Cent) zahlen für die Karte und die Registrierung. 

An Montagen helfe ich oft dabei. Das bedeutet dann Namen und Adresse aufschreiben, gar nicht so einfach bei den für uns oft seltsam klingenden Namen! Wir fragen auch nach dem Alter und müssen dann oft entscheiden, ob das, was sie uns sagen plausibel ist oder nicht, weil nur sehr wenige ihr wirkliches Alter wissen. Wie neulich als ein Sohn mit seiner Mutter kam. Der Sohn gab sein Alter mit 23 Jahren an, die Mutter mit 32!

Andere Patienten waren schon mal da und zeigen ihren Clinikausweis vor, an Hand dessen wir die alte Karteikarte finden müssen.

Am Ende jeden Tages werden alle Karteikarten dieses Tages nach Kind, Mann oder Frau geordnet gebündelt, mit Datum versehen und in einen Karton gelegt. Jeden Monat wird ein neuer Karton angefangen. Die Kartons sind in einem extra Raum und werden 5 Jahre aufgehoben. Auf dem Klinikausweis wird jedes Mal, wenn der Patient kommt, das neue Datum vermerkt.

Karteikartensuche

Der Großteil der Patienten des ersten Ansturms hat jetzt im Wartebereich in der offenen, überdachten Eingangshalle Platz genommen und die Karten sind im Behandlungszimmer.

Die Eingangshalle

Von dort ruft sie Vandi Koroma der CHO (das ist ein Arzt mit einer nicht ganz so umfassenden Ausbildung wie bei uns üblich) oder einer unserer Studenten, die als letzten Teil der Ausbildung noch ein Praktikum machen müssen, der Reihe nach rein und macht die Untersuchungen. Die meisten Patienten haben irgendwo Schmerzen und/oder Fieber. Es gibt immer wieder Fälle von häuslicher Gewalt (beide Geschlechter betroffen!) oder Unfällen (meist Motorad- oder Arbeitsunfälle), aber vermehrt sehen wir auch hohen Blutdruck und Diabetes.

Daniel behandelt heute die Patienten

Schon mehrmals habe ich erlebt, dass Zuckerwerte so hoch waren, dass unser Gerät sie nicht mehr messen konnte! Dazwischen gibt es viele Fälle von Unterbauch Infektionen mit wechselnder Ursache. Jeden Tag kommen auch 2 oder 3 Schwangere aus anderen Gesundheitszentren, die einen Ultraschall wollen. Wir haben, abgesehen vom staatlichen Krankenhaus in Koidu das einzige Gerät im weiten Umkreis. Das ist ein großer Anziehungspunkt.

Der Ultraschallraum

Im Labor

Auf die Karteikarte kommen dann nicht nur die Beschwerden, Symptome und körperlichen Untersuchungsergebnisse, sondern auch die angeforderten Laboruntersuchungen. Dafür müssen die Patienten ein paar Leone zahlen. Sobald sie bezahlt haben, schicken wir sie ins Labor. Dort finden wir dann viele Malariainfektionen aber leider auch die ein oder andere neue HIV Infektion oder Leberentzündung und bei Stuhluntersuchungen fast immer Würmer bzw Parasiten.
Meistens sind es die kleinen Kinder, die Malaria haben und die erhöhen den Geräuschpegel in der Klinik um ein Vielfaches. Es gibt einen Pick in den Finger um den nötigen Blutstropfen zu produzieren und viele Kinder schreien schon wie am Spieß, sobald sie durch die Labor Tür getragen werden und hören erst wieder auf, wenn sie wieder draußen sind. Die Mütter scheint das eher zu belustigen, die schauen oft nur zu und unternehmen nicht viel.

Neulich hatte ich ein Erlebnis, da kam ein junges Mädchen (Teenager) ins Labor zu einem Schwangerschaftstest. Sie bekam ihr Gefäß für den Urin. Als sie mit dem vollen Gefäß zurückkam, war der Test negativ. Norah unsere älteste erfahrene Laborantin unterhielt sich eine Weile mit dem Mädchen und hat ihr dann einen Eimer hingestellt und verlangt, dass sie vor ihren Augen in den Eimer uriniert. Der anschließende Test war positiv!

Abgesehen von HIV sind für mich die schlimmsten Laborergebnisse, wenn wir wieder ein kleines Kind haben mit fast keinem roten Blutfarbstoff mehr. Werte von 4 oder 5 kommen immer wieder vor als Folge der vielen Malaria Erkrankungen. Der Normwert ist je nach Geschlecht mindestens 12 oder mehr! Das sind lebensbedrohliche Zustände und diese Kinder müssen sofort ins Krankenhaus nach Koidu zur Bluttransfusion. Zum Glück Überleben die meisten! Wenn die Eltern dann bereit sind, selbst Blut zu spenden oder jemanden mitbringen, der Blut spendet, ist das auch finanziell machbar.

Auch der junge Mann war wieder da mit dem hohen Blutzucker. Heute war er bei knapp über 400mg/dl. Das ist gut. Die Behandlung hat angeschlagen. Vor 14 Tagen war der Wert so hoch, dass er nicht mehr messbar war. Bis zum Normwert von ca 120mg/dl hat er aber noch einen Weg zu gehen. Nach dem Labor schicken wir sie zurück ins Behandlungszimmer. Dort wird dann entschieden, ob es mit Tabletten getan ist oder ob die Patienten Infusionen und/oder Spritzen brauchen. Dann bleiben sie eine Zeitlang bei uns im Ward, das ist die Krankenstation.

Die Krankenstation

Das Medikamentenlager der Apotheke

Das Statistikbuch

Das können ein paar Stunden oder auch Tage sein. Leider kommen manche Patienten so spät, dass wir nicht mehr viel tun können und sie dann auch manchmal bei uns versterben. Wann immer möglich, versuchen wir sie aber noch ins staatliche Krankenhaus in Koidu zu verlegen in der Hoffnung, die können dort noch etwas für sie tun. Das scheitert manchmal aber auch an den Patienten selbst, die zum einen wissen, dass sie dort mehr zahlen müssen, als sie haben und zum anderen oft der Meinung sind, dass man dort sowieso stirbt und sich weigern, dorthin zu gehen.

Die Patienten bekommen also in die Karteikarte eine Liste der verschriebenen Medikamente und die zu bezahlende Summe. Diese kann sehr unterschiedlich ausfallen. Das hängt natürlich in erster Linie von den benötigten Medikamenten ab, aber zum Teil auch vom Vermögen der Leute Geld bezahlen zu können oder nicht. Ist jemand ganz arm, steht auch mal foc (kostenlos) statt einer Summe auf der Karte. Wir schicken grundsätzlich niemanden ohne Medikamente weg, der welche braucht, nur weil er kein Geld hat. Dafür zahlt dann der ein oder andere, der sichs leisten kann, ein bisschen mehr. Wenn sie die Quittung haben, bringen sie ihre Karte in die Apotheke.

Dort ist heute auch absoluter Hochbetrieb. Janet, Muje und Susa packen die Medikamente für die Patienten zusammen, erklären, wie sie einzunehmen sind, müssen zwischendurch die Regale vom Lager wieder auffüllen und die Bücher führen.

Jeder Patient mit Name, Adresse, Diagnose und Medikation muss in ein riesiges Buch eingetragen werden, gleichzeitig müssen Statistiken geführt werden über Patientenzahl, -alter und -geschlecht und über Anzahl und Art der Krankheiten.

Diese Statistiken müssen wir monatlich ans Gesundheitsministerium schicken. Und dann gibt es da noch das Kassenbuch, in das jeder Patient mit der Summe seiner Zahlungen eingetragen wird.

So langsam leert sich der Warteraum, ein paar Nachzügler kommen noch, dann ist die Arbeit getan. Die Patienten sind alle versorgt, das Personal hat hart gearbeitet.

Wir hatten heute 40 neue Patienten, die das erste Mal da waren, haben 60 Patienten im Labor untersucht (nicht jeder muss ins Labor), und am Ende 6700 Le (ca 250 Euro) eingenommen bei ca 80 bis 90 Patienten insgesamt, es war ein guter Tag. An anderen Tagen kann es auch mal nur die Hälfte dieser Summe sein! Mit den Einnahmen schaffen wir es gerade so, alle wichtigen Medikamente und notwendigen Labormaterialien und auch mal die ein oder andere kleinere Reparatur zu finanzieren. Hier sind wir sehr dankbar, dass die Gehälter für das Personal (im Moment ca 20 Personen) von der EmK Weltmission bezahlt werden, denn dieses zusätzliche Geld von 24.000 Euro im Jahr könnten unsere Patienten beim besten Willen nicht aufbringen.

In einem Jahr werden hier etwa 10.000 Patienten behandelt. Zum Teil haben sie bis zu 40 km hinter sich gebracht – meistens mit einem Motorradtaxi.

Ich hoffe, das hat euch einen kleinen Einblick gegeben in die Arbeit hier – abseits – ganz im Osten von Sierra Leone.

Herzliche Grüße und Gottes Segen

Andrea