Drei Monate am anderen Ende der Welt - Erfahrungsbericht von Laura Thiel (Klasse 10a)

Dunedin, im Juni 2015. Ich bin nun schon seit zwei Monaten in Neuseeland und es kommt mir einerseits wie zwei Wochen und andererseits wie zwei Jahre vor. Zwei Wochen, weil die Zeit hier vergeht wie im Flug. Mit meinen vier Gastgeschwistern wird mir nie langweilig und es gibt immer Neues in meiner Heimatstadt Dunedin zu erkunden. Zwei Jahre, weil ich hier schon so viel erlebt und gesehen habe und zu meiner Gastfamilie und meinen Freunden ein Verhältnis habe, als würde ich sie schon mein ganzes Leben lang kennen.

 

Nach anfänglichem Heimweh habe ich mich schnell hier eingelebt. Das Englischsprechen fällt mir sowohl in meiner Freizeit als auch in der Schule leichter als gedacht. Das Schulsystem ist in Neuseeland aber ganz anders als in Deutschland. Jeder Schüler hat hier nur fünf oder sechs Fächer, wir schreiben kaum Tests und Frontalunterricht gibt es hier eigentlich keinen. Die meiste Zeit arbeiten wir selbstständig an Projekten, was großen Spaß macht, aber auch eine Menge Kreativität und Selbstdisziplin erfordert. Wenn ich während der Mittagspause nicht gerade mit meinen Freunden abhänge, tanze ich Hip Hop oder spiele Badminton. Besonders gefällt mir aber die Kapa Haka Gruppe, in der wir Maorilieder singen und dazu tanzen. Auch wenn ich es bevorzuge, in meiner eigenen Kleidung zur Schule zu gehen, habe ich mich schnell an die Schuluniform gewöhnt und bin sogar an manchem Morgen froh darüber, keinen Gedanken an meine Kleidung verschwenden zu müssen.

Obwohl die Schule hier jeden Tag erst um halb vier endet, habe ich noch genügend Zeit, anderes zu machen und täglich tolle Sachen zu erleben. Ich war zum Beispiel schon surfen und Paintball spielen und in verschiedenen großen Städten wie Christchurch oder Queenstown. An den atemberaubenden Stränden hier laufen   Seelöwen und Pinguine frei herum und in einem Wildlifepark konnte ich sogar die einheimischen Kiwis beobachten. Mit meiner Klasse war ich bereits wandern und habe in den Bergen gezeltet.

Außerdem habe ich an einer Bootstour durch den Milford Sound teilgenommen. Das ist eine Meeresenge, die oft als „der schönste Ort der Welt“ beschrieben wird.
Das Highlight der letzten zwei Monate war aber eindeutig das Fallschirmspringen aus viereinhalb Kilometern Höhe und mit 60 Sekunden freiem Fall. Dieses Gefühl von Freiheit, das einen in diesem Moment überkommt, beschreibt eigentlich nicht nur dieses Erlebnis, sondern meine ganze Zeit in Neuseeland. Das Leben in einem anderen, so entfernten Land ist schlichtweg viel spannender und intensiver als zuhause.

Erst gestern habe ich einen Zettel herausgekramt, den ich mir vor meiner Abreise geschrieben hatte. Auf der einen Seite hatte ich mir meine Ängste notiert und auf der anderen meine Wünsche und Hoffnungen für meinen Auslandsaufenthalt. Erfreut konnte ich einerseits feststellen, dass die Ängste entweder komplett unbegründet gewesen waren oder ich sie erfolgreich überwunden habe und andererseits alle meine Wünsche in Erfüllung gegangen sind. Ich bin selbstständiger und selbstbewusster geworden, gehe offener auf Menschen und neue Kulturen zu und sehe manches mit anderen, erwachseneren Augen. Ich bin so froh, mich für meinen Auslandsaufenthalt entschieden zu haben, und rate jedem, dasselbe zu tun!

 

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